RTV – immer ein Wellental der Gefühle!
Verfasst am: 2025-07-21 • Autor: Ferdi Seidelt • Fotos: Seidelt/Seidelt-Archiv



Drei Messen sind bereits gelesen. Großartige Sommerfeste bejubelten den TVK (120 Jahre), FCRK (70 Jahre) und ASV (65 Jahre). Die Mutter aller Vereine, der Rumelner Turnverein, feiert „125 Jahre“ jetzt im September mit einer Sportwoche am Platz und einer Party im Haus Waldborn.
Der nun an Facetten nicht arme Verein lebt aber auch den würdigenden Blick zurück und hat Ferdi Seidelt gebeten, die Chronik „125 Jahre Rumelner Turnverein“ zu schreiben. Die Aufgabe ist anspruchsvoll, doch Journalist Seidelt kennt den Ort, die Menschen und den Sport hervorragend.
Hier schon einmal einige Gegebenheiten, die aufzeigen, warum und weshalb der heute 3000 Menschen zählende Verein (elf Abteilungen) in der Sportszene Kult ist.
Gegründet wurde der Verein 1900 in der Gaststätte „Zur Linde“ (heute Abend-Café). Doch nicht etwa aus Langeweile, sondern mit einem ernsten Hintergrund: Nun, dieser ist historisch verbrieft: Der deutsche Pädagoge, Publizist und Politiker Friedrich Ludwig Jahn kämpfte zu Zeiten der napoleonischen Fremdherrschaft und Kleinstaaten für eine nationalstaatliche Identität Deutschlands und rief zu diesem Zweck die Turnbewegung ins Leben. In der „Linde“ spürten dies 30 junge Männer – „Turnvater Jahn“ hatte weitere Freunde.

Trainiert wurden die Turner draußen auf der Wiese und gleich nebenan im Hegger'schen Saal (später unter anderem Kino, heute Kulturspielhaus). Nach dem 2. Weltkrieg turnten die RTV-Aktiven im Saal von Haus Waldborn, genau an der Stelle, wo am 20. September die Mitglieder feiern werden. Die erste Rumelner Turnhalle wurde 1958 an der Marienfeldschule gebaut. Ab da wurde nicht mehr im Saal oder Freien geturnt, sondern mit Hallenboden unter den Füßen und Dach überm Barren. Ab diesem Zeitpunkt war der RTV über Jahre der erfolgreichste Kunstturnverein im Turngau Moers und im Rheinischen Turnerbund.
Doch es drängten weitere Sportarten in den Verein. Ganz vorne zu nennen der Feldhandball, dem nach dem 2. Weltkrieg Bauer und Bürgermeister Dietrich Bonert einen Platz direkt neben seinem Hof zur Verfügung stellte. Das war wohl so inspirierend, dass die muskelbepackten Werfer ab 1948 fünf, sechs atemberaubende Jahre in der höchsten deutschen Spielklasse hatten.
Es hatte schon etwas an sich, wenn die "Welt" als führende Zeitung nach dem Heimspiel-Sieg am 6. Februar 1949 gegen den späteren Deutschen Meister RSV Mülheim voller Respekt schrieb: "Wer kennt schon das kleine Dorf, das so eine Handballmannschaft hervorbringt!" Die Rheinische Post widmete trotz des damaligen Papiermangels dem Rumelner Sensationssieg am nächsten Tag einen großen Bericht, in dem es vor Ehrerbietung nur so qualmte.
Und da Feldhandball zu dieser Zeit absolut und überhaupt von Deutschland dominiert wurde, war der RTV nach seinem Hammer gegen Mülheim für einige Zeit die beste Vereinsmannschaft der Welt. Dass am Platz bis zu 3500 Menschen die Mannschaft feierten, wo doch Rumeln allein zu dieser Zeit kaum mehr Einwohner hatte, sagt alles!
Der heutige Sportplatz konnte - nach entsprechender Bauzeit - im Rahmen einer mehrtägigen Sportveranstaltung am 29., 30. April und 1. Mai 1972 feierlich seiner Bestimmung übergeben werden. Bürgermeister Edmund Pilarczyk belobigte den RTV mit den Worten, dass jener "eine notwendige Ergänzung des Arbeitslebens in unserer mechanisierten und automatisierten Welt" sei. Es sei eine feine Leistung des Vereins, dass er die bisherigen Anlagen am Waldborn von Grund auf erneuern wolle, um sie für die Zukunft fit zu machen.
Für den Chronisten ist das Sportplatzwunder am Waldborn bereits die vierte Anlage des RTV. Fassen wir noch einmal zusammen: Platz eins in den 1920er Jahren war eine Wiese in Rumeln-Dorf, Platz zwei später die Bonert-Fläche an der Moerser Straße. Die "RTV-Kampfbahn" im Feld mit einer 350-Meter-Laufbahn wurde 1950 eingeweiht. Und schließlich lief 1972 die neue B-Anlage vom Stapel - mit 400-Meter-Bahn, Sprunggruben, Kugelstoßringen und einem 40 x 20 m großen Hartplatz.
Zu den Bildern (zum Vergrößern bitte anklicken):
1 - Turnen! Nach einigen abenteuerlichen "Turnhallen" (Hegger'sche Saal, Haus Waldborn" war es im Oktober 1958 so weit: Die Turner in Rumeln-Kaldenhausen hatten in der Marienfeldschule eine würdige Heimat (Foto: Seidelt-Archiv).2 - Handball! Der wohl beste RTV-Werfer aller Zeiten war Top-Torjäger und Strafwurf-Spezialist Dieter Bringsken (unser Schnappschuss aus der Oberliga-Saison 1954 zeigt ihn rechts mit Torwart Horst Drübert) (Foto: Seidelt-Archiv).
3 - Leichtathletik! Ein wichtiges Datum war 1960, denn justament wurde der Grundstein für das neue Vereins- und Jugendheim am Waldborn gelegt. Es dauerte bis 1972, dann war der leichtathletikgerechte Sportplatz fertig (Foto: Seidelt-Archiv).
4 - Schwimmen! 1972 wurde das Hallenbad eingeweiht, bereits 2014 abgerissen. Unser "Abschiedsfoto" von der Startblockreihe zeigt das große Bassin, links davon das Lehrschwimmbecken (Foto: Ferdi Seidelt).
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Glasfaser für alle – Hoffnung und viel Ärger!
Verfasst am: 2025-07-18 • Autor: Ferdi Seidelt • Fotos: RT-Archiv



Der Glasfaseratlas auf www.duisburg.de sieht blendend aus. Überall geht es voran. Für Rumeln-Kaldenhausen aufnotiert sind die Netzeausbauer Westconnect und Telekom. Doch der Schein trügt. Bei der Umsetzung qualmt es gehörig, es zündelt gar. Wie das?
Von Anfang an! Digitalisierungsdezernent Martin Murrack hat die Idee, durch eine Aktivierung von privaten Anbietern den Breitbandausbau voranzutreiben. Den politisch abgesicherten Zuschlag für Rumeln-Kaldenhausen erhält die Westconnect, im Gepäck die E.ON. Parallel dazu verpflichtet der Bauverein Rheinhausen für seine nicht wenigen Wohnungen in Rumeln-Kaldenhausen die Telekom. Dazu gibt es das „Weiße-Flecken-Programm“ der Bundesregierung, das hilft, wenn der eigenwirtschaftliche Ausbau durch Unternehmen nicht rentabel ist. Die mittlerweile vom Land angebotenen Programme „Lückenschluss“ und „Graue-Flecken“ machen den Werkzeugkasten für eine digitale Highspeed-Zukunft voll. Soweit die Theorie.
In der Praxis sieht es so aus, dass die E.ON/Westconnect drei Dinge den Rumeln-Kaldenhausener Haushalten zugesagt haben: 1. Der Anschluss an das Haus, die Wohnung ist kostenfrei. Gespart werden die Baukosten in Höhe von 1547 €. 2. In das Glasfasernetz kann der Haushalt seinen bisherigen Vertrag einleiten lassen („Open Access“). 3. Die erstmaligen Anschlussaktivierungskosten in Höhe von 398,65 € entfallen, wenn bei Fertigstellung des Anschlusses dieser innerhalb von vier Wochen aktiviert wird. Eine exklusive Gunst, die Ferdi Seidelt der E.ON abringt, sozusagen als Goodie, da der Ort mit 65 Prozent Grundstückseigentümerzusagen einen neuen GEE-Rekord aufstellt. All das klingt großartig, doch das Ungemach folgt sogleich!


Kaum waren die ersten Baggerschaufeln im Boden gibt es Beschwerden, Die Handwerker beherrschen augenscheinlich ihr Handwerk nicht: Unternehmen 1 muss gehen. Bei Unternehmen 2 liegt das Problem in der Leitung. Am Bagger und am Vortrieb sind die Leute vorhanden, doch es fehlt an Bauleitern. Wieder werden offene Baustellen hinterlassen. Dann Funkstille. Seidelt spricht mit Falko König, Digitalisierungsleiter bei der Stadt. "Es stimmt, sehr ärgerlich. Es müssen noch rechtliche Dinge geklärt werden. Aber es geht im August 2025 weiter. Mit einer Firma, die in Duisburg einen guten Klang hat." Nun, Neustart zwei Jahre nach dem ersten Spatenstich - das hat schon was!
Bleibt zusätzlich festzuhalten, dass sich die Vorvermarkter nach Rumeln-Kaldenhausen zuerst einmal weitere Standorte sicherten (unter anderem Bergheim, Asberg, Schwafheim, Meerbeck, Neukirchen, Vluyn, Lintfort) - beste Goldgräber-Methode, zuerst einmal die Claims abstecken! Dass dabei gemachte Terminzusagen auf einmal Schall und Rauch sind, ist nicht nur ärgerlich.
Der absolute Hammer kommt von der E.ON Highspeed selbst! Erinnern wir uns: E.ON/Westconnect verdienen auf drei Ebenen an einer Netz-Verlegung: 1. Investiertes Geld - und das ist nicht wenig - braucht nicht als Gewinn versteuert werden. 2. Wem das Glasfaser-Netz gehört, dem gehören für immer die Durchleitungsgebühren aller Dienste-Anbieter - eine Menge Holz. 3. Steht die E.ON gut da, wird möglicherweise der eine oder andere Haushalt auf einen attraktiven E.ON-Vertrag aufmerksam.
Nun, bei Punkt 3 wollen die Manager mehr Beute! Nachdem verwirrende Prospekte in die Haushalte gegeben wurden, laufen jetzt Berater von Tür zu Tür und verkaufen, als wären gemachte Zusagen nicht mehr selbstverständlich. So wird zum Beispiel suggeriert, dass nur mit einem E.ON-Vertrag die Baukosten entfallen - vom "Open Access" und von der kostenfreien ersten Inbetriebnahme ist keine Rede mehr.
Ferdi Seidelt unverdrossen: "Die Abläufe und Vorgänge sind alles andere als akzeptabel. Ich werde persönlich darauf achten, dass die gemachten Versprechen eingehalten werden. Und dass es endlich spürbar losgeht!"
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